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Warum ich mich in Beziehungen verlor – und heute bei mir bleibe.


In jeder meiner fünf langen Liebesbeziehungen habe ich mich irgendwann selbst verloren. Es geschah nicht plötzlich von einem Tag auf den anderen, nicht in einem grossen Knall oder einem dramatischen Ereignis. Es war ein schleichender Prozess, leise und unspektakulär, und genau deshalb so wirksam. Die Tragweite dessen, was mit mir passierte, wurde mir oft erst Jahre später wirklich bewusst.


Immer wenn ich in einer Beziehung war, wurde ich verständnisvoller, rücksichtsvoller und feinfühliger. Ich begann, immer genauer zu spüren, was der andere brauchte, was ihm guttat, wo ich besser nachgeben, mich zurücknehmen oder meine eigenen Impulse relativieren sollte. Irgendwann wusste ich sehr genau, was mein Gegenüber fühlte – und immer weniger, was eigentlich in mir vorging.


Und früher oder später kam dieser Moment, den ich heute sehr gut kenne, den ich damals aber nicht benennen konnte: Ich war noch da, körperlich anwesend, funktionierend, zugewandt. Aber innerlich war ich nicht mehr ich selbst.


So blieb mir irgendwann nur noch eines: zu gehen. Nicht aus Freiheit und auch nicht aus Klarheit, sondern aus einer inneren «Notwehr» heraus. Ich verliess Beziehungen fluchtartig, weil ich spürte, dass ich darin verschwunden war. Wegzugehen war der einzige Weg, mich selbst überhaupt wiederzufinden.


𝗟𝗮𝗻𝗴𝗲 𝗱𝗮𝗰𝗵𝘁𝗲 𝗶𝗰𝗵, 𝗶𝗰𝗵 𝗵𝗮̈𝘁𝘁𝗲 𝗲𝗶𝗻𝗳𝗮𝗰𝗵 𝗲𝗶𝗻 𝗕𝗲𝘇𝗶𝗲𝗵𝘂𝗻𝗴𝘀𝗽𝗿𝗼𝗯𝗹𝗲𝗺

Ich suchte die Erklärung bei mir: vielleicht hatte ich Bindungsängste, vielleicht aber auch zu hohe Ansprüche oder vielleicht war es auch einfach nur Pech. Heute weiss ich, dass all diese Deutungen bloss an der Oberfläche kratzten. In Wahrheit hatte ich kein Beziehungsproblem – ich kannte schlicht nur zwei innere Modi, zwischen denen ich pendelte, und keiner von beiden war wirklich lebendig oder tragfähig.


𝗗𝗲𝗿 𝗲𝗿𝘀𝘁𝗲 𝗠𝗼𝗱𝘂𝘀: 𝗔𝗻𝗽𝗮𝘀𝘀𝘂𝗻𝗴, 𝘂𝗺 𝗴𝗲𝗹𝗶𝗲𝗯𝘁 𝘇𝘂 𝘄𝗲𝗿𝗱𝗲𝗻

In diesem Modus war ich geübt. Ich konnte mich gut einfühlen, Konflikte abfedern, Verständnis zeigen, Verantwortung für den Anderen übernehmen und viel (aus-)halten. Ich wusste, wann es besser war, nichts zu sagen, mich zurückzunehmen oder meine eigenen Bedürfnisse hintanzustellen, um die Verbindung nicht zu gefährden.


Der Preis dafür zeigte sich langsam. Ich wurde leiser, unsichtbarer, netter. Und irgendwann stellte sich eine Frage, die ich lange nicht zulassen wollte: Wo bin eigentlich ich geblieben in all dem?


𝗗𝗲𝗿 𝘇𝘄𝗲𝗶𝘁𝗲 𝗠𝗼𝗱𝘂𝘀: 𝗥𝘂̈𝗰𝗸𝘇𝘂𝗴 𝘂𝗻𝗱 𝗙𝗹𝘂𝗰𝗵𝘁, 𝘂𝗺 𝗺𝗶𝗰𝗵 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗴𝗮𝗻𝘇 𝘇𝘂 𝘃𝗲𝗿𝗹𝗶𝗲𝗿𝗲𝗻

Wenn Anpassung zu schmerzhaft wurde, schaltete etwas anderes in mir um. Ich wurde innerlich sehr klar – und gleichzeitig kühl. Emotional ging ich auf Abstand, wurde zunehmend unabhängig und in mir selbst geschlossen. Äusserlich war ich vielleicht noch da, funktionierend und präsent, innerlich hatte ich mich längst verabschiedet.


Was ich damals nicht verstand: In diesem Zustand spürte ich mich selbst kaum noch. Und damit verbunden war ich auch nicht mehr in der Lage, zu kommunizieren oder mich mitzuteilen. So entstanden Entscheidungen still und einsam in mir, ohne dass der andere noch mitgenommen worden wäre. Der tatsächliche Abschied kam deshalb für den Partner oft überraschend, während er für mich innerlich längst vollzogen war.


Ich ging, um mich zu schützen, weil Bleiben sich wie Selbstverrat anfühlte. Gleichzeitig hatte der andere keine Chance, mir noch zu begegnen – obwohl er gar nicht wollte, dass ich mich anpasse, geschweige denn verliere.


𝗨𝗻𝗱 𝗱𝗮𝗻𝗻 𝗸𝗮𝗺 𝗲𝘁𝘄𝗮𝘀 𝗡𝗲𝘂𝗲𝘀

Heute bin ich mit Roger zusammen. Und ja – diese Geschichte ist romantisch. Sehr sogar. Er ist liebevoll, präsent, klar, männlich ohne Härte, fein ohne Schwäche. Er kann Nähe halten, Gefühle benennen, Verantwortung tragen, lachen, kochen, lieben. Es ist eine Verbindung, die sich reich anfühlt, lebendig, sinnlich, warm. In vielerlei Hinsicht erfüllt diese Beziehung genau das, was ich mir lange gewünscht habe.


Und trotzdem liegt das eigentlich Entscheidende nicht in ihm. Das wirklich Neue an dieser Beziehung ist nicht, dass er «Mr. Right» ist – so sehr sich das manchmal auch genau so anfühlt. Das Neue ist, dass in mir etwas längst vorbereitet war, um einer solchen Liebe überhaupt auf diese Weise begegnen zu können.


Ich habe über Jahre innere Arbeit gemacht, mich mir selbst zugewandt, alte Muster erkannt, Loyalitäten gelöst und gelernt, meinen Körper und meine inneren Zustände ernst zu nehmen. Diese Beziehung ist nicht die Ursache dieser Haltung – sie ist ihre Folge. Sie ist der Resonanzraum, in dem sichtbar wird, was in mir angelegt ist.


Deshalb ist das Entscheidende an dem, was hier geschieht, auf den ersten Blick unspektakulär: Ich spüre mich.


Und zwar nicht erst im Nachhinein, sondern im Moment, in dem sich etwas in mir verschiebt. Ich nehme wahr, wenn ich beginne, mich anzupassen, wenn mein Körper enger wird, wenn ich mich erklären will oder innerlich einen Schritt zurücktrete. Diese Signale waren schon immer da – neu ist, dass ich ihnen heute zuhöre und bei mir bleibe.


Früher habe ich solche inneren Bewegungen erst bemerkt, wenn ich mich längst verloren hatte. Heute bleibe ich anwesend, während sie entstehen. Emotional und körperlich. Nicht, weil alles immer leicht ist, sondern weil ich mich nicht mehr verlasse.


Und genau darin liegt das Unspektakuläre – und zugleich das Tiefgreifendste: Diese Liebe trägt mich nicht, weil sie mich rettet, sondern weil ich mich selbst trage. Und genau dadurch kann sie so romantisch, lebendig und echt sein, wie sie ist.


All das hat mir etwas Entscheidendes gezeigt: Nicht jede Beziehung, die sich sicher und liebevoll anfühlt, führt automatisch dazu, dass wir uns selbst verlieren. Und nicht jede grosse Liebe ist ein Ort, an dem alte Muster zwangsläufig weiterlaufen müssen. Im Gegenteil – genau in dieser neuen Qualität von Beziehung wurde mir etwas bewusst, das ich lange nicht kannte: Es gibt einen inneren Zustand, in dem Nähe nicht mehr bedrohlich ist und «sich selbst sein» keine Distanz braucht.


𝗜𝗰𝗵 𝗵𝗮𝗯𝗲 𝘃𝗲𝗿𝘀𝘁𝗮𝗻𝗱𝗲𝗻, 𝗱𝗮𝘀𝘀 𝗲𝘀 𝗲𝗶𝗻𝗲𝗻 𝗱𝗿𝗶𝘁𝘁𝗲𝗻 𝗠𝗼𝗱𝘂𝘀 𝗴𝗶𝗯𝘁

Einen Zustand, den ich lange nicht kannte. Er ist weder Anpassung noch Flucht, sondern etwas Drittes: Bleiben, ohne mich zu verlieren.


In diesem Modus muss ich mich nicht beweisen, nicht zurückziehen und nicht erklären. Ich bin da – mit mir selbst – und gleichzeitig in Beziehung. Es ist kein Hochgefühl, keine Perfektion, sondern eine ruhige Selbstverständlichkeit.


Ganz konkret fühlt sich dieser Modus so an: Mein Körper bleibt weich, während ich spreche. Ich atme weiter, auch wenn es unangenehm wird. Ich merke, wenn sich etwas in mir zusammenzieht – und gehe nicht darüber hinweg. Ich bleibe im Kontakt mit mir, während ich im Kontakt mit dem anderen bin.


Es gibt keine Eile. Es gibt nichts zu reparieren. Und es gibt nichts zu retten. Ich muss nicht sofort reagieren und auch nicht verschwinden. Ich darf einen Moment innehalten, nachspüren und dann – wenn nötig – aussprechen, was wirklich da ist. Manchmal leise, manchmal klar, manchmal auch mit Unsicherheit – aber ohne mich dabei zu verlassen.

Dieser dritte Modus ist kein Zustand, den man festhalten kann. Er zeigt sich im Alltag, in kleinen Momenten: in einem Gespräch, das ich nicht sofort glätte; in einer Grenze, die ich freundlich stehen lasse; in einem Nein, das nicht hart ist; in einem Ja, das nicht aus Angst entsteht.


Und vielleicht ist genau das seine grösste Qualität: Er ist unspektakulär. Doch er ist echt.


𝗗𝗮𝘀 𝗭𝗶𝗲𝗹 𝗶𝘀𝘁 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗣𝗲𝗿𝗳𝗲𝗸𝘁𝗶𝗼𝗻, 𝘀𝗼𝗻𝗱𝗲𝗿𝗻 𝗥𝘂̈𝗰𝗸𝗸𝗲𝗵𝗿𝗳𝗮̈𝗵𝗶𝗴𝗸𝗲𝗶𝘁

Ich rutsche immer noch. Auch heute. Der Unterschied ist, dass ich es merke. Ich erkenne, wenn ich mich gerade anpasse oder innerlich weg will, und ich habe inzwischen eine Wahl. Ich kann bleiben und zu mir zurückkehren, ohne Drama, ohne Schuld, ohne den alten Reflex, mich entweder zu verlieren oder zu flüchten.


𝗩𝗶𝗲𝗹𝗹𝗲𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗲𝗿𝗸𝗲𝗻𝗻𝘀𝘁 𝗱𝘂 𝗱𝗶𝗰𝗵 𝗱𝗮𝗿𝗶𝗻 𝘄𝗶𝗲𝗱𝗲𝗿

Vielleicht hast auch du dich in Beziehungen irgendwann verloren. Oder du hältst dich heute lieber unabhängig, weil Nähe sich unsicher anfühlt. Vielleicht pendelst du zwischen zu viel Anpassung und zu viel Rückzug und fragst dich, warum sich nichts wirklich stimmig anfühlt.

Dann möchte ich dir sagen: Du bist nicht falsch. Du hast vermutlich nur nie gelernt, wie sich ein sicherer dritter Ort anfühlt. Aber man kann ihn lernen.


𝗘𝗶𝗻 𝗦𝗮𝘁𝘇, 𝗱𝗲𝗿 𝗺𝗶𝗰𝗵 𝗯𝗲𝗴𝗹𝗲𝗶𝘁𝗲𝘁:

«Ich muss mich weder anpassen, um geliebt zu werden, noch flüchten, um mich zu schützen. Ich kann bleiben – bei mir.»


Lass den Text wirken. Und wenn du magst, schreib mir, was er in dir berührt hat. Manchmal beginnt Veränderung nicht mit einem grossen Entschluss, sondern mit dem leisen Moment, in dem wir merken: «Ich bin noch da  nicht, weil alles gut ist – sondern weil ich geblieben bin.»

Autorinnenschaft: Rebekka Bachmann – im schöpferischen Dialog mit KI

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